
Mario Adorf
Sein Charisma ist ungetrübt. Obwohl Mario Adorf inzwischen bereits 82 Jahre alt ist, sieht er jünger aus. Beim Interview-Termin in München sitzt der gebürtige Züricher im Hotel Bayerischer Hof auf einem braunen Ledersofa. Genüsslich trinkt er sein stilles Wasser. So, wie der Schauspieler dort sitzt, strahlt er eine ungeheure Ruhe aus. Dabei war sein Vater ein temperamentvoller Italiener und er selber lebte lange Jahre in Rom. Besonnen plaudert er über sein geheimes Doppelleben…
Sind Sie eigentlich mehr Italiener oder Deutscher?
Ich habe Jahrzehnte lang in Italien gelebt und wollte mich dort integrieren. Aber je länger ich dort lebte, desto mehr merkte ich, dass ich ein Deutscher bin! Den italienischen Teil in mir habe ich nicht entdecken können. Ich fühle mich einfach nicht als Italiener. Ich fühle mich in Italien als Ausländer.
War Ihre Zeit in Rom eine Flucht aus Deutschland?
Damals sagten viele, ich hätte Deutschland wegen der schlechten Filme den Rücken gekehrt. Aber das stimmt nicht. Deshalb war es keine Flucht ins Ausland, sondern man hat mich gerufen. Und ich bin diesem Ruf gerne gefolgt. Die Zeit im Italien der Dolce Vita-Zeit war aufregend, sorgenfrei und spannend und ist leider für immer vorbei.
Was ist deutsch an Ihnen?
Oh, ich würde sagen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit!
Und was macht das italienische Blut in Ihnen aus?
Temperament und Spielfreude.
Was sehen Sie als Ihre Heimat an?
Ganz klar: Mayen in der Eifel! Dort bin ich zwar nicht geboren, aber meine Vorfahren mütterlicherseits stammen von dort, ich bin in Mayen aufgewachsen, bin dort zur Schule gegangen, erlebte dort meine erste Liebe und verbinde viele entscheidende Erinnerungen damit, den Krieg und die Nachkriegszeit. Die Eifel ist mir vertraut.
Sie werden absolut nicht älter. Wie schaffen Sie das?
Ich werde natürlich älter. Und ich mache aktiv eigentlich auch nichts dagegen. Ich lehne Liftings ab und bin auch kein Gesundheitsapostel. Ich schiebe es einfach auf meine guten Gene. Im Sommer schwimme ich gerne, aber der Winter ist für mich eher eine Zeit zum Faulenzen.
Vermissen Sie die alten Zeiten, als sie noch den Liebhaber spielten?
Nein, denn ich war eigentlich nie der jugendliche Liebhaber. Ich sah mich immer schon als älteren Schauspieler. Mein Vorbild waren immer schon die älteren Schauspieler wie Spencer Tracy und Jean Gabin.
In der aktuellen Ausgabe von DAS GOLDENE BLATT verrät Mario Adorf, wohin sein Blick bei einer Frau als erstes fällt.
Text: K. Schreier / Foto: dapd